Jutta Scheiner: Moonshiner (Malerei)

Eine Ausstellung in der Staatsgalerie Prenzlauer Berg
vom 26.04.2014 bis 24.05.2014

Vernissage: 26.04.2014, 19:00 Uhr

Dass Jutta Scheiner ausgebildete Elfenbeinschnitzerin ist, mag als biographisches Detail für die Rezeption ihrer farbreichen Bildwelten nicht zwingend notwendig sein; darf jedoch als Fingerzeig dienen. Für ihre von 2011 bis 2014 entstandenen Bilder greift Scheiner zu wesentlich profaneren Materialien. So ist beispielsweise die „Sammlerin“ eine Assemblage aus Acryl, Knöpfen, einer Decke und Styropor: Den spröde konnotierten Werkstoff verwendete die Künstlerin des öfteren. Worin liegt seine Faszination? Scheiner sagt, sie möchte die Wegwerfware Styropor aufwerten. Doch hebt sie diese nicht durch Veredelung auf den Sockel, Scheiner schafft aus ihr einen Sockel, um den Bildkörper zu erweitern. Eines dieser Bilder zeigt ein Memento: zwei skelettierte Liebende in zeitloser Umarmung.

Es wäre dabei ein Kurzschluss, Scheiner als Malerin des Unheimlichen zu bezeichnen, ungeachtet dessen, daß Ihre Bilder wie unter Mondlicht gemalt scheinen. Eher ist sie dem Unwirklichen auf der Spur, das existiert. Nicht wenige ihrer Bilder muten wie collagierte Ikonen an. Andere erinnern an frühneuzeitliche Porträts, denen die Künstlerin einen doppelten Boden verpasst hat: Die Insignien eines Medaillons im Format von 70 x 120 cm mit dem Titel „Erbschaft“ sind Pelz, Halskrause und Spitzenhaube; doch richtet deren teilnahmslos dreinschauende Trägerin eine überdimensionierte Vorderladerpistole gegen sich selbst. Ohne Arme geht das nicht, doch diese sind Prothesen.

Scheiner hat Anfang dieses Jahres an der Gruppenausstellung „Die betroffene Urmutter schreit wie ein waidwunder Ziegelstein“ in der Staatsgalerie teilgenommen. Aus populärwissenschaftlichen Magazinen entstanden Cadavre Exquise, Collagen methodischen Zufalls. Ihre neueren Arbeiten basieren wiederum auf einem anderen Basismaterial: Sie malt auf alten Schnittmusterbögen vegetative Figuren. „Verpflanzlichung“ sagt sie dazu. Auch diese Bilder kommen daher wie ein spielerischer Zeitvertreib aus Kindertagen; sie ähneln dem Blick in ein florales Kaleidoskop. Die organische Struktur des Pflanzenwuchses korrespondiert mit der mechanischen der Nähvorlagen. Was sich entspinnt, verwebt Jutta Scheiner zu einer verästelten Sinnlichkeit.
Robert Mießner

-> jutta-scheiner.de/malerei

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